Wieder sind drei Monate wie im Fluge vergangen und der nächste Bericht will geschrieben werden. Es kommt mir so vor, als ob ich den letzten gerade erst geschrieben und abgeschickt habe und trotzdem ist in der Zwischenzeit einiges passiert:
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| auch im neuen Gebäude wird sehr viel Schach gespielt... |
Das wahrscheinlich wichtigste, was geschehen ist, war der Umzug, der nun doch endlich stattgefunden hat, nachdem er seit Oktober immer wieder verschoben wurde. Der Grund für diesen temporalen Umzug sind Renovierungsarbeiten im Centro, da die Decke undicht und instabil war. Im Zuge dieser Renovierung wird das Centro auch umgebaut, so dass mehr Räumlichkeiten und ein größerer Innenhof zur Verfügung steht. Das zweite Stockwerk wird erweitert, die Treppe wird nach Innen verlegt und die Kapelle wird etwas verkleinert. Bevor der Umbau beginnen konnte, mussten wir natürlich nach und nach alle Räume, die von dem Umbau betroffen sind, leer räumen. Dies war kein leichtes Unterfangen, da in den betoffenen Räume viele schwere und sperrige Gegenstände standen, die in andere Räume getragen werden mussten. Außerdem konnten unsere Chefs sich bei vielen Gegenständen (z.B.: alten Computern, Schreibmaschinen und Druckern) nicht entscheiden, was damit geschehen soll. Am Besten wäre wohl gewesen sich von einigen nicht benötigten Dingen zu trennen, doch das haben sie nicht übers Herz gebracht, da die Gegenstände alle gespendet wurden. Letztendlich durften wir wenigstens die defekten Geräte aussortieren und haben nur die funktionierenden Geräte in die jeweiligen „Übergangslager“ (Essensraum, Medizinraum, Bibliothek und Lagerraum) gebracht. Eines Tages war es dann soweit, wir konnten in das neue Gebäude umziehen. Wir haben also alle Einrichtungsgegenstände und Dokumente in das Übergangsgebäude gebracht. Ich habe erst einmal daran gezweifelt, dass alle Möbel und Personen dort ihren Platz finden, doch es passt. In dem ersten Raum sitzen Ere, Andrea und Mary, im zweiten Lupita und in dem letzten ist die Küche und unser „Büro“. Wir haben einen kleinen Tisch in einer Ecke der Küche bekommen. Desweiteren haben wir einen kleine und einen größeren Innenhof, wobei der größere ein Gemeinschaftshof ist. Das heißt er wird von uns und einer Musikschule genutzt. Es gibt noch ein anderes Gebäude, dass anfangs leer stand, aber mittlerweile von uns dazu gemietet wurde, ich bin gespannt wofür wir es nutzen werden. Mit der Musikschule verstehen wir uns recht gut, sie haben uns erlaubt ihren Teil vom Innenhof und ihre Sanitärenanlagen mit zu benutzen. So war es anfangs der ideale Platz zum toben, spielen, arbeiten und essen, doch hatte die Vermieterin etwas dagegen und hat uns verboten den Innenhof zu benutzen und einen Tisch dort aufzustellen. Das heißt wir haben jetzt nur noch den kleinen Innenhof, in dem wir spielen, lesen, arbeiten und essen können. Daher hat sich unsere Arbeit etwas verändert. Es ist zum Beispiel nicht mehr möglich richtig Gitarrenunterricht zu geben, meine Schülerin kommt nur noch unregelmäßig, um ein neues Lied zu lernen und damit ich ihre Gitarre stimme. Englischunterricht geben ist zwar theoretisch möglich aber nur vor 12:30 Uhr und nach 14:00 Uhr, denn in der Zwischenzeit wird gegessen und der kleine Innenhof ist rappelvoll. Leider kommen viele meiner früheren Schüler nicht mehr, aber dafür kommen regelmäßig Kinder, davon zwei zu bestimmten Zeiten, auf mich zu, damit ich ihnen bei ihren Hausaufgaben helfe. Das macht Spaß, da ich z.B. lange keine Matheaufgaben mehr lösen musste und selber immer erst einmal nachdenken muss, wie man diese nun am Besten löst. Weiterhin helfen wir natürlich auch bei ganz anderen Dingen, wie verschiedene Botengänge zur Chefin, Einkäufe, in der Küche und ab und zu holen wir noch fehlende Dokumente, Möbel o.ä. aus dem alten Gebäude. Zwischenzeitlich kamen so gut wie keine Kinder, für ca. 2 Wochen, da die Lehrer in Oaxaca gestreikt haben und die Kinder daher entweder zu Hause oder auf den jeweiligen Märkten bei ihren Eltern geblieben sind.
Eines Tages wurden wurden wir gefragt, ob wir nicht, bei Bedarf, auf der Baustelle helfen möchten. Natürlich wollten wir, da das eine willkommene Abwechslung zu der „Büroarbeit“ ist. Die Arbeit, die wir dort verrichtet haben und auch noch in Zukunft verrichten werden besteht aus Schutt in Eimern vom Innenhof auf einen Kipplaster laden und Sand/Kies in Schubkarren und Eimern vom Bürgersteig in den Innenhof umlagern. Der Umbau geht, soweit ich das sehen und einschätzen kann, gut voran und soll noch ca. 2 Monate dauern, was ich jedoch eher bezweifle. Ich hoffe nur, dass sie fertig werden, bevor ich im September wieder zurück nach Deutschland fliege. Die Baustelle an sich wirkt auf mich sehr locker und die Bauarbeiter sind nett und interessiert. Alle Gerüste und viele Leitern wurden aus Holz gezimmert und statt Helm und Sicherheitsschuhe werden überwiegend Sombrero/Basecap und Sandalen/Turnschuhe getragen. Die Arbeit macht sehr viel Spaß, da man danach deutlich sehen und fühlen kann, was man geleistet hat.
Man sieht also, dass meine Arbeit sich verändert hat, anfangs waren wir drei Langzeitfreiwillige und oft fehlte Arbeit für alle. Nachdem Simon v. K. nach Deutschland zurückgekehrt ist hatten wir genug Arbeit, da wir fast alle Kurse von Simon übernommen haben. Nach dieser schönen Zeit des beinahe komplett ausgelastet sein, kam die Zeit des Umzuges, in der wir zwar kaum Kurse geben konnten, aber sehr viel zu tun hatten. Aktuell haben wir viele kleine Aufgaben, die aber nicht regelmäßig sind, es gab und gibt Tage, an denen keine/kaum Kinder kommen und auch sonst nicht viel zu erledigen ist, aber es gibt auch Tage, an denen ein Kind nach dem anderen auf uns zu kommt und Hilfe bei seinen Hausaufgaben braucht.
Im Nachhinein war die schönste Zeit die, in der wir zu zweit im „normalen“ Gebäude gearbeitet haben, denn da hatten wir einen relativ festen Stundenplan und ich konnte viel mit den Kindern musizieren.
Am 30. April war hier ein ganz besonderer Tag, der Tag der Kinder (día de los niños). An diesem Tag konnten wir noch ein letztes Mal in das alte Gebäude. Dort haben wir uns gesammelt und sind mit vielen Kindern und einigen Jugendlichen zusammen auf den nahegelegenen Spielplatz gegangen und haben sehr viel und lange gespielt. Anschließend gab es im Centro Pizza, zwei verschiedene Wasser mit Geschmack (agua de sabor) und zum Nachtisch ein kleines Stieleis. Zum Schluss haben wir uns noch eine kleine Luftballonschlacht mit den Kindern geliefert. Den Kindern hat es super gut gefallen und uns Freiwillige auch.
Einige Tage später habe ich eine Einladung von Lucio zu der Taufe ("Nuestro Bautizo" = "Unsere Taufe", siehe Bild) seiner fünf Kinder bekommen, die alle im Projekt sind. Ich war sehr gespannt, wie ein Tauf-Gottesdienst hier in Mexiko aussieht und wie danach gefeiert wird. Besonders war für mich erst einmal, dass alle Kinder in weiß gekleidet waren. Die drei Jungs mit weißen Schuhen, Hosen, Hemden und Jacketts und die beiden Mädchen in weißen Kleidern. Der Gottesdienst war dann eine Enttäuschung für mich, denn der Pfarrer hatte vorher schon eine Hochzeit (oder mehr) und danach kam schon die nächste Familie mit einem Kind, das getauft werden sollte. Außerdem hat der Pfarrer seinen Text einfach runtergerattert, wodurch der Gottesdienst sehr gehetzt und unpersönlich auf mich wirkte. Die Feier danach war dafür umso schöner. Sie hatten einen großen Saal gemietet mit einer Kapelle und später noch mit einer Band, die auf einer richtigen Bühne gespielt hat. Es gab reichlich und leckeres Essen und leckeres Agua de Horchata. Die Kinder sind rumgelaufen und haben ihre Geschenke an den Tischen abgeholt und auf einem Tisch in der Mitte gesammelt. Kurz bevor ich dann nach Hause gegangen bin wurden noch 14 Torten gebracht, die ich leider nicht mehr probieren konnte. Ich habe mich gefreut, dabei gewesen zu sein und die fünf Kinder so fröhlich und besonders gekleidet gesehen zu haben.
So, das war nun mein 3. Zwischenbericht für VIA e.V., für regelmäßige Leser waren da ein paar Wiederholungen drinn, nun folgt aber etwas Neues:
Alma schrieb mich letztens an und fragte, ob ich nicht am Dienstag, den 14. Juni mitkommen möchte nach Cuajimoloyas. Ich wollte sehr gerne mit, doch hatte ich keine großen Hoffnungen, dass mir die Erlaubnis dafür gegeben wird, denn der Ausflug ging schon morgens um 6 Uhr los. Kurz vorher hatte ich Urlaub beantragt und die Reaktion darauf war "waaas schooon wiiieeeder???". Mir wurde der Urlaub dann genehmigt, also kann ich am Freitag, den 19.08. nach der Arbeit losfahren und bis zum Sonntag 28.08. reisen (es geht nach Yucatan an die Karibikküste). Die Bedingung war, dass ich im Juli auch an einigen Samstagen ins Centro komme, ist kein Problem! Nun musste ich also kurz nachdem mir der Urlaub genehmigt wurde, wieder zur Chefin und fragen, ob ich am Dienstag frei bekomme... Es war dann aber leichter als ich dachte, ich habe nur gesagt, dass Freunde von mir nach Cuajimoloyas fahren und ich gerne mitfahren möchte. Sie rief dann ihre Chefin an, die das Okay für diesen freien Tag gab, den ich dann in Form eines weiteren Samstages im Centro abarbeite. Ich war glücklich, jetzt stellte sich mir die Frage, was genau ist denn eigentlich "Cuajimoloyas"? - Also: es ist ein Dorf in der Sierra Norte. Hier der Reisebericht:
Am Dienstag rief mich Alfredo um 6:13 Uhr an und sagte mir, dass er draußen auf mich wartet, es ging also los. Kurze Zeit später haben wir uns mit den anderen getroffen und sind in Richtung Sierra Norte aufgebrochen. In Cuajimoloyas angekommen habe ich mich daran erinnert, dass ich dieses Dorf schon einmal durchquert habe und zwar als ich nach Llano Grande gefahren bin um die Fahrradtour zu machen. Es ist ein kleines Dorf in den Bergen umgeben von super schöner Natur. Beim Tourismus-Büro haben wir dann alles bezahlt, was bezahlt werden musste, 30 Pesos für die Erlaubnis die "Natur" zu betreten und 30 Pesos für die Seilbahn. Außerdem habe ich mir schnell meinen Pulli aus dem Kofferraum geholt, denn hier oben in den Bergen war es doch schon ziemlich frisch. Als dann klar wurde, dass wir vom Büro aus alle zusammen auf dem Pick-Up den restlichen Weg fahren, habe ich mir auch noch schnell meine Mütze aufgesetzt (ich glaube das erste mal seit über 9 Monaten, irgendwie komisch, in Mexiko mit Jacke und Mütze, siehe Foto...).

Dort angekommen haben wir uns mit den Betreibern der Seilbahn für um 12 Uhr bzw. um 11 Uhr ihrer Zeit (witzigerweise haben die in der Sierra Norte keine Sommerzeit...) dort verabredet, denn es fehlten noch zwei Freunde. Wir sind dann auf eine nahegelegene Wiese gegangen, wo wir bisschen mit einem Football hin und her geworfen haben und etwas gegessen haben. Später haben wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Wald gemacht und dann waren wir auch schon vollzählig (11 Personen waren wir). Pünktlich um 12 Uhr bzw. 11 Uhr in der Sierra Norte waren wir bei der Seilbahn, doch die Betreiber waren eine halbe Stunde später immer noch nicht da. Wir sind dann schnell runter ins Dorf haben ein paar Bierchen und Chips gekauft und sind bisschen weiter in den Wald reingefahren, wo wir bisschen was getrunken und gegessen

haben (siehe Foto). Lange sind wir nicht geblieben, denn der Betreiber kam in seinem Auto vorbei und meinte, dass es jetzt los gehen kann, also haben wir alles eingepackt und sind endlich zur Seilbahn. Hier haben wir Klettergeschirr bekommen und sind den kleinen Berg hoch gestapft, wo wir erst einmal zwei kleine Hindernisse überwinden mussten, um zur Seilbahn zu gelangen. Jeder durfte zweimal die ca. 100 m herunter fahren. Hat super viel Spaß gemacht, wobei viele sich, aufgrund der Höhe, ziemlich überwinden mussten die wackeligen Hindernisse zu überqueren. Als dann alle zwei mal die Seilbahn runter gedüst sind, haben einige im Dorf etwas zu essen gekauft und andere (darunter auch ich) auf einer schönen Wiese ein kleines Feuer enfacht um Kohle heiß zu machen, auf der wir dann später gegrillt haben. Es gab Tasajo (dieses dünne Rindfleisch), Avocado, Chile, Tortillas und Zwiebeln dazu wahlweise Refresco (Cola, Fanta etc.) oder Bier. Bevor wir uns dann auf den Rückweg gemacht haben wurde noch eine Runde Kickball gespielt, eine Art Baseball, bei dem der Ball geschossen nicht geworfen wird. Anschließend gings ab nach Hause. War ein suuuper schöner Ausflug, vor allem wegen der schönen Landschaft, der Seilbahn und der unglaublich frischen Luft.
Ich denke ich werde bald mal wieder in die Sierra Norte fahren, denn ich möchte unbedingt mal wieder eine Fahrradtour dort machen.
So, das reicht nun mit dem Bericht, finde ich.
Unten findet ihr wie immer gaanz viele Fotos z.B. von der Taufe, der Baustelle und dem Ausflug in die Berge.
Liebe Grüße
Simon
Hier kommen die Fotos von der Taufe:
"Herr, wir sind in dein Haus gekommen,
um unsere Freude mit dir zu teilen,
danke, dass du uns Leben gibst,
danke, dass du uns Liebe gibst.
Wir wollen dich kennenlernen, weil wir dich lieben wollen
so wie du uns liebst.
Dass dein Haus unser sei,
und dass unsere Seele deine sei."
die beiden Zwillinge (Miguel Alejandro und Lucio Daniel) und der kleine Carlos Eduardo
Celina Araceli
Patricia Guadalupe
Patricia wird getauft
einer der Zwillinge wird getauft
Claudia (eine Freiwillige aus Mexiko Stadt) und ich mit den fünf Kindern
die stolzen Eltern und ihre Kinder
kurz nach der Pause musste dann die schöne Kleidung drann glauben...
... vorallem bei Carlos wurde das weiß sehr schnell immer dunkler
die Kirche, in der die Taufe stattfand
die Kapelle (la banda)
lässig lehnen sie an der Wand...
die 14 Torten
"Unsere Taufe Carlitos, Lucio und Miguel"
der Saal hat sich recht schnell gefüllt...
Fotos vom Ausflug nach "Cuajimoloyas":
"Ökotourismus Zentrum Cuajimoloyas Yaa Cuetzi Willkommen"
Karina vor diesen riesigen Agaven
genau Alma, da solls hingehen...
eine Allee aus Agaven
unter diesem Baum haben ...
... wir ...
...gepicknickt.
Spaziergang im Wald
eine von vielen schönen Blumen (es folgen noch mehr ;-) )
wunderschöne Landschaft
es gab hier nicht nur schöne Blumen, sondern auch...
... Pilze in braun...
... und in rot.
was ist da bloß passiert??
wunderschöne Landschaft 2
kleiner Hügel den ich erklommen habe
(fast) die ganze Truppe...
(fast) die ganze Truppe 2
Blumen mit kleinem Käfer
wunderschöne Landschaft 3
das Klettergeschirr wird angelegt
die erste Hürde war noch einigermaßen einfach (man konnte sich oben mit einem Karabiner an ein Stahlseil sichern, habe ich beim ersten mal auch gemacht, beim zweiten dann aber nicht mehr)
Blick von der ersten Plattform
Blick von der zweiten auf die erste Plattform
Hier nehme ich die erste Hürde (hier ohne Sicherung) ...
... die zweite Hürde (natürlich mit Sicherung) ...
... und schon gehts ...
... wieder abwärts.
das Feuer für den Grill wird vorbereitet...
... und nach einigem Pusten haben wir ein kleines Feuerchen
fette aber irgendwie schöne Raupe
unser Grillplatz...
... und die "Musikanlage"
Lola bereitet das Tasajo zu
Chile und Zwiebeln werden geröstet
schönes Knäuel an einem Baum
grünes Pflänzchen
das Fleisch wird gegrillt
einen schönen Grill haben wir da
unser Essplatz...
... mein leckeres Essen
Fotos von der Baustelle:
Der Kies wird direkt vor die Tür geliefert...
... und mit vereinten Kräften ist er kurze Zeit später schon im Innenhof.
ne Stunde später wurde dann der Sand geliefert...
aktuelle Lage auf dem Bau (16.06.11): die Säulen stehen schon...
... die tragenden Elemente für die Decke sind auch schon da...
... hier wird die Treppe entstehen...
... man kann schon den Rundgang zu den jeweiligen Zimmern erkennen