Montag, 14. März 2011

waaas, Halbzeit!!?!?!

Ach du meine Nase, nun ist es soweit: Ich bin heute (Montag 14.03.2011) seit einem halben Jahr hier in Mexiko! Angekommen bin ich am 14.09.2010 und abfliegen werde ich am 13.09.2011 um dann am 14.09.2011 irgendwann in HH anzukommen. Es ist also Halbzeit! Was tut man da? Feiern? Trauern? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Zeit rennt und ich hier noch viel erleben, lernen, besuchen und angucken möchte. Ich bin gespannt, was mir die zweite Hälfte so bringt und gucke immer wieder gerne auf die ersten Monate zurück. Ich habe viel gesehen, erlebt, gelernt und gelehrt.
Meine Arbeit hier im Projekt nimmt seinen Lauf und ich bekomme mehr und mehr motivierte Schüler (ich habe jetzt drei Gitarrenschüler und vier Englischschüler), was mich ungemein freut. Außerdem sind wir seit Freitag nur noch zwei Langzeitfreiwillige, da der andere Simon, der verlängert hat, im April zurückfliegt und die letzten Wochen Urlaub genommen hat. Somit gibt es jetzt nur noch einen Simon hier, das heißt die Kinder können uns nicht mehr veräppeln mit ihrem "Simon (einer von uns beiden dreht sich um)... neeeiin der andere". Es heißt aber auch, dass nun mehr Arbeit auf Benny und mich zukommt, da wir die Kurse von ihm übernehmen werden, sofern die Schüler noch Lust haben.
Neben meinen Kursen daddel ich mit manchen Kindern bisschen am Keyboard, lese mit Laura Bücher, helfe weiterhin bei Hausaufgaben, spiele Schach, UNO, Vier gewinnt oder Scrabbel und gehe jeden Freitag mit ca. 15 Kindern und einigen Freiwilligen auf den nahegelegenen Spielplatz. Ein paar von den Kindern hatten mal Keyboardunterricht und freuen sich immer, wenn sie mir ihre gelernten Stücke auswendig vorspielen können, dabei lerne ich auch das ein oder andere Lied.
Das Lesen mit Laura macht Vortschritte, als ich hier ankam konnte sie das Alphabet nicht und daher natürlich auch nicht lesen. Mittlerweile kann sie die meisten Buchstaben bennenen und das Wort als Ganzes erkennen. Das liegt daran, dass Margarita (eine Schweizerin, die hier für längere Zeit freiwillig gearbeitet hat), viel mit ihr gearbeitet hat und die darauffolgenden Freiwilligen ihre Struktur beibehalten haben (Hausaufgaben machen, lesen, basteln/malen, frei spielen). Ab und zu verwechselt sie noch einzelne Buchstaben (statt "c" sagt sie z.B. "n" etc.) aber man merkt, dass sie dazulernt und langsam auch Spaß daran hat.
Normalerweise spielt Benny immer Schach mit den Kindern, aber letztens hatte er gerade keine Zeit, da musste ich dann mal ran. Das dumme ist nur, dass fast alle Jungs mal Schachunterricht hatten und daher besser spielen als ich. Ich kenne zwar die Regeln, aber spiele ohne Strategie einfach drauflos und verliere dann natürlich, was die Kinder natürlich freut. Bei den anderen Spielen habe ich dann mehr Chancen, wobei sie z.B. UNO mit teilweise sehr merkwürdigen Regeln spielen.
Auf die Freitage freue ich mich immer sehr (die Kinder natürlich auch), da es einfach schön ist, mit ihnen herumzutoben. Wenn sie so herum toben, auf den Klettergerüsten herum klettern, schaukeln, wippen oder auf dem Karussell im Kreis "reiten" sind sie total glücklich und wollen ständig fotografiert werden... Letzten Freitag habe ich viel mit Hugo oder Laura gemacht, erst habe ich Laura beim Schaukeln angeschupst, sie herum getragen (sie ist ziemlich anhänglich) und dann habe ich mit Hugo die Klettergerüste erkundet.
Ja, also die Arbeit macht mir weiterhin Spaß und ich denke in Zukunft werde ich auch mehr ausgelastet sein, jetzt wo wir nur noch zu zweit sind.


Vom 25.02.-04.03.2011 waren alle Freiwilligen, die in Mexiko, Nicaragua, Costa Rica und in der Dominikanischen Republik arbeiten, in Mexiko Stadt beim Zwischenseminar. Wir wohnten in dem "Casa Xitla", eine sehr schöne Jugendherberge, mit großem Garten, netten Leitern, gutem Essen, gut ausgestatteten Zimmern (Doppelzimmer mit Bad und Dusche) und einer großen Terrasse. Das Seminar wurde von Francisco und Lisa geleitet (die beiden waren auch die Leiter bei meinem Vorbereitungsseminar; siehe Foto) und es hat wieder viel Spaß gemacht und war sehr interessant. Von 9-13 Uhr und von 15-18:30 Uhr haben wir verschiedene Themen bearbeitet (Austausch unserer Erfahrungen, unsere Projekte, umgehen mit Konflikten, kulturelle Unterschiede, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Weltwärts, Ziele, Pädagogik). Zwischendurch und danach hatten wir viel Zeit um uns zu unterhalten, Dubble (ein tolles Kartenspiel) und Volleyball zu spielen, uns auszuruhen und um die nähere Umgebung zu erkunden. An einem Tag hat Pablo (einer der Leiter) und später Mauricio (er konnte deutsch) viel über die politische Lage und Geschichte von Mexiko erzählt und uns einige Konflikte, die man so nicht in Zeitungen zu lesen kriegt, erläutert. Beide arbeiten in einer nicht-regierungs-Organisation mit dem Namen "Serapaz", die Unterstützung bei Konflikten gibt und auch Seminare zum Thema Konfliktlösung anbietet. Sie haben z.B. den Bauern geholfen sich gegen den Bau eines Flughafens auf ihren Ländereien zu wehren. Bevor "Serapaz" den "Fall" angenommen hatte,  haben die Bauern demonstriert und viele von ihnen wurden gefangen genommen, auch von diesen Gefangenen konnte Serapaz nach einiger Zeit eine Freilassung erwirken. Um nicht von der mexikanischen Regierung angreifbar zu sein, haben sie sehr viel Kontakt zu ausländischen Organisationen und Journalisten, die viel über diese Konflikte berichten und so Druck auf die Regierung ausüben und auch viele der Aktionen von Serapaz finanziell unterstützen, denn ihre Seminare etc. bieten sie gratis an. Aktuell unterstützen sie z.B. die Zapatisten beim Streit um das Gebiet um "Agua Azul".

Einen Tag vor dem Ausflug (siehe weiter unten) gab es noch eine Mezcal/Tequila Verköstigung: Pablo und Felix vom Casa Xitla haben 10 verschiedene Flaschen gekauft und uns die jeweiligen Unterschiede erklärt, während wir nach und nach alle Mescals/Tequila durchprobiert haben. Das ganze fand während des Abendessens statt, so dass man sich ab und zu etwas zur Stärkung gönnen konnte, außerdem gab es natürlich noch das ein oder andere Bierchen, was dazu führte, dass der Abend sehr lang und fröhlich wurde...

Da Mexiko Stadt ziiieeemlich groß ist, reichte die Zeit in den Pausen nicht, um mehr von der Stadt zu besichtigen, deshalb gab es einen Ausflugtag, den wir Freiwilligen planen mussten. Das Problem ist die Entfernung zu den ganzen Sehenswürdigkeiten, man brauchte zum Beispiel von unserer Jugendherberge ca. 1,5 Std. ins Zentrum. Letztendlich haben wir uns entschieden und haben erst das Frida Kahlo Haus (siehe Foto) angeguckt, sind dann weiter nach Xochimilco um dort ca. 1 Stunde auf einem Floss durch die Kanäle zu schippern, zu essen, zu quatschen und den Marriachis zuzuhören. Danach sind einige nach Hause (der Abend davor hatte es doch in sich) und andere (darunter auch ich) ins Zentrum zum Zócalo gefahren um dort erst mal super leckere Tacos zu essen und dann einzelne Sehenswürdigkeiten anzugucken. Danach gings dann wieder nach Hause, denn um 00:30 Uhr fuhr der letzte Metrobus und den wollten wir nicht verpassen, da wir sonst bis 05:00 Uhr hätten warten müssen. Einmal (an einem Samstag) haben wir das dann auch gemacht, da wir noch länger feiern wollten. Wir haben dann, nachdem im Zentrum die Clubs schon zwischen 2 und 3 Uhr zugemacht haben, lange auf dem Plaza Garibaldi in einer "Cantina" gesessen, etwas kleines gegessen, Bier getrunken, den Marriachis gelauscht, die es hier zu Hauf gab und darauf gewartet, dass wir mit dem ersten Metrobus wieder zurück fahren konnten. An diesem Abend habe ich noch Bekanntschaft mit den örtlichen Gesetzeshütern gemacht, Ben (ein anderer Freiwilliger, der genau wie Simon verlängert hat) und ich suchten verzweifelt nach einer Toilette, doch alle Bars und Clubs waren gerade am Schließen und ließen uns nicht mehr rein. Daher haben wir uns ein dunkles Eckchen ausgesucht und wildgepinkelt (pfui pfui), dummerweise fanden das zwei Polizisten nicht wirklich komisch, weswegen sie uns eigentich mit aufs Revier nehmen wollten. Ben (der ziemlich gut Spanisch spricht) und ein mexikanischer Kumpel von ihm haben dann mit den Polizisten geredet und ihnen gesagt, dass wir das ja nicht absichtlich gemacht hätten, sondern nur aus der Not heraus und das wir ja Touristen seien und keine Ahnung hätten. Außerdem würde das Mit-Aufs-Revier-Nehmen ja auch ziemlich viel Papierkram bedeuten. Schlussendlich haben Ben und ich jeweils 100 Pesos (6€) an die Polizisten gezahlt und durften von dannen ziehen. Tja, so funktioniert Korruption in Mexiko. Die Polizisten verdienen sehr wenig und solch eine "Festnahme" bedeutet viel Papierkram und relativ wenig Geld, also doch lieber inoffiziel ein paar Kröten einsacken und den Papierkram vergessen...
Am Freitag ging es dann wieder zurück nach Oaxaca, aber wir waren nicht allein zu Haus, denn zwei Freiwillige vom Seminar, die in Guadalajara wohnen, haben uns besucht.

Am Samstag haben Pierre, Marina und ich eine Tour durch vier Dörfer in der näheren Umgebung von Oaxaca gemacht. Erst ging es mit dem Taxi nach San Bartolo Coyotepec, wo allerlei Töpfe, Tassen, Vasen, Ketten etc. aus dem "Barro Negro" (schwarzer Ton) hergestellt werden (siehe Foto), dann mit einem Mototaxi nach Zaachila, eine schöne kleine Stadt, dann wieder mit einem Mototaxi nach Cuilapan de Guerrero, wo es ein schönes Ex-Kloster gibt und zum Schluss mit einem Colectivo nach San Antonio Arrazola, wo die "Alebrijes" (bunte Figuren aus Copal-Holz) hergstellt werden.
Hier haben wir eine kleine Tour mit einem Verkäufer dieser Alebrijes gemacht, um uns drei verschiedene Werkstätten anzugucken, wo diese Figuren geschnitzt und bemalt werden. Das war eine super interessante Tour, man hat erfahren, wie diese Figuren entstehen und nebenbei hat man noch einen Einblick in die Wohnsituation der "normalen" Bevölkerung bekommen (siehe Foto). Mit einer Machete "schnitzen" sie erst einmal die Grundform, dann arbeiten sie mit verschiedenen feineren Messern, bis die Figur soweit fertig ist (manchmal werden z.B. Beine, Hörner etc. getrennt geschnitzt und später angeklebt). Wenn die Figuren dann getrocknet sind, werden sie mit immer feiner werdenen Schleifpapier geschliffen und schließlich werden sie bemalt, eine ganz schön anstrengende und langwierige Arbeit, da sie oft sehr feiner Muster malen (siehe unten bei den Fotos).
Am Sonntag sind die Beiden auf eigene Faust los und am Montag sind sie dann weitergereist.

So, ich mach mal hier Schluss, denn mir fällt gerade nichts mehr ein, was noch zu schreiben wäre, außer vielleicht der übliche Tipp bisschen weiter unten die Fotos anzugucken und die Bitte, eventuell einen klitzekleinen Kommentar zu hinterlassen ;)

Liebe Grüße an euch alle,
Simon


P.S.: Wir hatten hier gerade ein super mega hammer geiles Gewitter und ich habe ein paar Fotos gemacht (insgesamt waren es knapp 500 Bilder, davon haben 14 überlebt, hier sind drei davon):

man sieht, da kommt ordentlich was runter...


ja, die serienbildfunktion machts möglich... Volltreffer, ich freu mir gerade tausend Kekse :D :-)  :D :-) :D


Fotos von den Kindern aus dem Projekt:

 Laura hangelt sich mit Hilfe einer anderen (Tages-)Freiwilligen an einer waagerechten Sprossenleiter entlang

Laura hat viieeel Spaß am Schaukeln....


 Patti reitet ganz damenhaft im Kreis...


 ... Lilli bevorzugt die eher indianische Variante

 Hugo beim Schaukeln ("empujame" - schubs mich an)


Hugo und ich sind ganz oben auf einem Klettergerüst

 Hugo und ich sind wieder heil runter gekommen...

Hugo hängt bisschen ab...

dieses Klettergerüst hat das Hugosiegel bekommen...

 die Jungs reiten um die Wette...

 Laura und ich

 die Zwillinge spielen Schach gegen Benny


Fotos aus Mexiko Stadt:

 VW Bulli als Sammeltaxen und ...

... VW Käfer als Taxen gab es hier in der Hauptstadt

 Kennenlernrunde...

 Volleyball spielen im Garten

 eine von den vielen Sitzgelegenheiten in der Herberge

Das Frühstück war der Hammer, es gab super viel leckeres Obst, verschiedene Cornflakes u.v.m.

 sonnen auf der Terrasse

Nein, ich bin nicht zu klein, die sind zu groß, wir sind ja schließlich in Mexiko!

Energizer zum Aufwachen

 beim Dobble spielen

Diskussion

Abend der Tequila/Mezcal Verköstigung

während der Verköstigung

Francisco und ich


die U-Bahnen haben Gummireifen und sind deshalb bisschen leiser...

schicker Käfer

Xochilmilco, das sind die Flöße auf denen man sich in den Kanäle herum fahren lassen kann

auf dem Floß

eine Marriachi Band spielt drei Titel für uns (natürlich nicht für umsonst...)

dies, meine Damen und Herren, ist eine Ente ;)

Die mexikanische Flagge auf dem Zócalo

der Präsidentenpalast mit den ganzen Militärfahrzeugen...

 die Kathedrale von Mexiko Stadt


 Dörfertour mit Pierre und Marina:



Kirche in San Bartolo Coyotepec

Esel trägt schwere Lasten (auf dem Weg nach Zaachila)

Pierre, Marina und ich im Mototaxi

Pferdewagen in Zaachila

Markthalle in Zaachila, Fleischabteilung...

Straßenfeger in Zaachila

die Frau verkaufte Nüsse u.ä. vor dem Ex-Kloster von Cuilapan de Guerrero

cooler VW-Bulli in Cuilapan de Guerrero

Giraffe mit komisch gebogenen Hals (Alebrije in San Antonio Arrazola)

ein noch nicht ganz fertiger Vogel (Alebrije in San Antonio Arrazola)

mit der Machete wird aus einem Ast die Grundform herausgeschlagen...

... nach ca. 15 min. sieht das dann so aus (wird ein Leguan), danach wird min feineren Messern gearbeitet

ein Blaubär (Alebrije in San Antonio Arrazola)

Alebrije in San Antonio Arrazola

Ice Age lässte grüßen...

einige Schlangen, Leguane etc. schön drapiert auf Steinen

Alebrijes in San Antonio Arrazola